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Ausgabe 12/2012
Ein surrealer Ausflug ins FriaulEnzo Pontoni und das Weingut Miani
(TT) Ja, das Weingebiet Friaul-Julisch Venetien (kurz Friaul) findet touristisch viel zu wenig Beachtung. Und sicher, es gibt viele tolle Weissweine, insbesondere der Rebsorten Friulano und Ribolla. Und auch viele der aus Refosco gewonnenen Roten sind beachtlich. Probieren Sie mal etwas aus der Gegend. Bitte. Und fahren Sie auch einmal hin. Es ist wirklich eine wunderschöne Gegend mit ganz eigenem kulinarischem Stil. Geschichtlich gibt es hier auch einiges zu entdecken: Der Einfluss Österreich-Ungarns, die Nähe zu Slowenien, alles sehr interessant, versprochen! Aber bitte, davon möchte ich jetzt nicht berichten!
Ich möchte stattdessen über eine Begegnung sprechen, die mich zunächst verwirrt und letztendlich fasziniert hat: Das Treffen mit «Mr. Eigenbrötler himself», dem endlos bescheidenen und dabei äusserst charismatischen Enzo Pontoni (54) in seinem Weingut «Miani» in Buttrio.
Ausgabe 12/2012
Viel besser als ihr Ruf
Sandeman ist Supermarkt. Diese Gleichung stimmt – und doch wieder nicht. Axel Probst weiss, was bei Migros, REWE & Co. nicht im Regal steht, und hat die besten probiert.
Unter anderem hat der «Don» als Markenzeichen dazu geführt, dass Sandeman eine der weltweit bekanntesten Portweinmarken geworden ist. Leider entspricht aber hierzulande die qualitative Wahrnehmung nicht dem tatsächlichen Produktportfolio, da Sandeman eher mit den günstigeren Supermarkt- Ports als mit hochwertigen Gewächsen in Verbindung gebracht wird. Beitragender Faktor ist die geringe Präsenz höher- oder gar hochwertiger Gewächse in den deutschsprachigen (Fach-)Geschäften. So findet man selten einen Late Bottled Vintage oder 20-jährigen Tawny und fast nie einen Vintage Port von Sandeman, sondern eher die Standard Rubies und Standard Tawnies. Ein Grund für den WeinWisser, sich auch anlässlich der kommenden festlichen Tage der Sandemänner anzunehmen, die unberechtigterweise etwas im Hintergrund stehen.
Ausgabe 12/2012
Aurelio Montes
Er war der wohl erste Mann, der in Chile feinen Wein erzeugte: Aurelio Montes. Einst mit wenigen Hektaren gestartet, um später einmal ein schönes Rentnerdasein zu haben, reichen ihm heute 800 Hektar nicht mehr aus, um die Nachfrage nach seinen intensiv fruchtigen und doch immer frischen Weiss- und Rotweinen zu befriedigen. Inzwischen erzeugt Aurelio Montes auch packende Rotweine in Argentinien und Kalifornien. Stephan Reinhardt hat den Pionier des chilenischen Weinbaus in Hamburg getroffen und einige Highlights des aktuellen Programms verkostet.
Als die Chilenen pro Kopf und Jahr noch 50 Liter Wein zechten, aber vom feinen Wein keinen Schimmer hatten, hatte Aurelio Montes eine Ahnung: Auch – oder gerade – in Chile lassen sich Weine erzeugen, die sich mit den besten der Welt messen können. Und das zu Preisen, die aufgrund niedriger Grundstückspreise, Lohn- und Bewirtschaftungskosten um etwa die Hälfte oder mehr unter vergleichbaren Weinqualitäten aus Frankreich oder Italien liegen. Montes' wichtigster Markt ist daher nicht der heimische, sondern der Export. Nur 5 % der sechs Millionen gefüllten Flaschen pro Jahrgang werden in Chile verkauft, wo der Pro-Kopf-Verbrauch bis heute auf 15 Liter pro Jahr gefallen ist. Mit erstklassigen Weinen von französischen Varietäten wie Sauvignon Blanc, Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah erobert der Grandseigneur des chilenischen Weinbaus seit den 1990er Jahren Europa. Zur gleichen Zeit entdeckte man in Chile aber auch, dass das, was man zuvor immer für Merlot gehalten hatte, in Wirklichkeit Carmenère war. Tatsächlich sind die Weine der ursprünglich aus dem Bordelais stammenden Sorte die eindrucksvollsten von Aurelio Montes: Hier vermählen sich hohe Fruchtreife und -intensität mit einer Klarheit, Frische und Tanninqualität, die ihresgleichen suchen.
Ausgabe 12/2012
Cheval des AndesBordeaux als Vorbild, Mendoza als Ressource
(RG) Ein magischer Ort. In der Mitte ein riesiges Polofeld, aussen herum Reben, beim Eingang zur Winery Stallungen mit Rassepferden und im Herzen des Weingutes ein Gästehaus mit unendlichem Charme.
Dies erwartet die wenigen Besucher, denen es vergönnt ist, den Ursprung eines ganz besonderen Mendoza- Boutiqueweines zu besuchen. Der Cheval des Andes entsteht aus dem riesigen Fundus von der Bodega Terrazas de los Andes. Dieses Weingut gehört zum Imperium der französischen LMVH-Gruppe. Als deren Patron Bernard Arnaud Mitbesitzer von Cheval Blanc wurde, kam ihm die Idee, in seinen argentinischen Weinbergen eine Art Rotwein nach französischem Vorbild zu machen.
Ausgabe 12/2012
Eduardos Chile-Icons
(RG) Während des Essens genossen wir die reifen Top-Weine von Eduardo Chadwick anlässlich unseres Chile-Besuchs, bei den Tastings die jungen. Hier vier Reife, die nach zehn oder gar mehr Jahren Flaschenreife just auf dem Höhepunkt sind. Also einmal mehr ein Beweis für ein vielleicht allgemein unterschätztes Alterungspotenzial.
Die aktuellen Releases sind teurer geworden. Die Nachfrage aus dem fernen Osten und – nicht zu unterschätzen – Brasilien ist enorm, und so müssen leider die Europäer hier künftig tiefer in die Taschen greifen. Der Viñedo Chadwick ist in den besten chilenischen Restaurants zu finden. Unter allen Chile-Icon-Wines ist er immer der teuerste. Preise auf Weinkarten zwischen 400 und 600 Franken pro Flaschen sind keine Seltenheit. Zugegeben – Viñedo Chadwick kann praktisch bei allen Blind-Tastings mit den allerbesten Weinen der Welt mithalten. Unter allen möglichen Kandidaten ist dieser Wein aber auch der rarste. Die Produktion beträgt jährlich 6 000–10 000 Flaschen. Also eine absolute Miniproduktion, hergestellt auf dem ehemaligen Polofeld des Familiensitzes.
Ausgabe 12/2012
AlmavivaErst Deal, dann Wein, dann Launch
(RG) Vor etwa 20 Jahren begann in Chile die eigentliche Qualitätsrevolution. Im Jahrestakt lancierten viele Wineries sogenannte (mögliche) Icon-Weine. Mit mehr oder weniger Erfolg gehört zu den Letzteren definitiv Almaviva.
Will man wissen, warum es früher derart desaströse Weine in diesem Andenland gab, muss man etwas in den Geschichtsbüchern blättern. Da der Alkoholismus sich zu einem schier unkontrollierbaren Problem entwickelte, durfte ein Weingut nur noch eine bestimmte Grösse haben. Um der riesigen Nachfrage gerecht zu werden, produzierte man auf den Rebflächen dann so viel wie möglich. Der Jahrgang war nicht wichtig, auch nicht die Rebsorte, einfach nur die Menge. Und der Wein wurde gar nicht erst in Flaschen gefüllt, sondern in Galonen.
Ausgabe 12/2012
Auffallende Flasche – aufsteigender WeinGoulée: Mehr als ein Cös-chen
(RG) Im Prinzip sind es nur gerade 30 Kilometer vom feinen Pauillac, doch die machen es aus. Wer hier – im hohen Norden Richtung Médocspitze – einen guten Wein machen will, der muss einige Opfer bringen, um aufzufallen.
Die 80 % Cabernet Sauvignon – ergänzt mit 20 % Merlot – könnten nämlich ein ziemliches Handicap bedeuten, will man die Trauben ausreifen lassen. Doch es funktioniert. Da ist einerseits die niedrige Pflanzdichte von nur 5 700 Stöcken per Hektar ein guter Joker. Und dann logischerweise auch ein sehr niedriger Ertrag. Im Fall von Goulée beträgt die Ernte jeweils nur etwa 20 Hektoliter per Hektar. Ausgebaut wird der modern vinifzierte Rotwein zu 50 % in neuen Barriques, die andere Hälfte sponsert Cos d'Estournel mit einmal gebrauchten Fässern
Ausgabe 11/2012
Traumnoten in WattwilRêves Rouges de la Bourgogne 2009
Für jene, die des Hollande-Dialekts nicht mächtig sind, hier gleich mal vorweg die verdeutschte Erklärung zum obigen Titel: Es geht um «rote Burgunder-Träume» …
RG. – Normalerweise arten Jungweinproben eher in Arbeit aus. Spass ist da selten dabei. Ich kann mich deshalb nicht erinnern, dass mir eine jungfräuliche Burgunderprobe jemals so viel Genuss bereitet hätte. Das mag wohl auch an dem grossartigen 2009er Jahrgang liegen. Anders als beim Bordeaux, wo die Weine schlussendlich eher einen mondial-populären Geschmack abbekamen, ist im Jahr 2009 an der Côte d'Or das Modell «Immerschön» und «Grande Bourgogne» gleichzeitig entstanden.
Ausgabe 11/2012
Tesch (Nahe)
Dr. Martin Tesch macht viele Leute kirre: Es ändert sich nichts bei ihm. Schon seit Jahren nicht. Die Weine – Riesling trocken – bleiben die immer gleichen, ihr Geschmack verlässlich klar, trocken und geradlinig.
SR. – Martin Tesch scheint auf keinem Weg, sondern hat ihn längst gefunden. Das ist doch mal eine gute Nachricht für Leute, die wissen möchten, was sie kaufen, und sich nicht jedes Jahr neu orientieren wollen. Eines ist dann doch bemerkenswert bei den Tesch-Rieslingen des Jahrgangs 2011: Ich glaube, sie waren noch nie so gut. Dabei sind sie weder spontan vergoren noch im Holzfass ausgebaut noch restsüss ...
