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Ausgabe 11/2012
Balthasar Ress (Rheingau)
Seitdem Christian Ress vor zwei Jahren das operative Geschäft übernommen hat, tut sich einiges in dem renommierten 46-ha-Betrieb in Hattenheim. Insbesondere die Weine, Riesling vor allem, zeigen mehr Kante als früher. Verantwortlich dafür ist ein alter Bekannter: Dirk Würtz, einstmals auch für die Weine von Robert Weil mitverantwortlich.
SR. – Zehn Spitzenlagen, noch dazu eine 0,3-ha-Anlage bei Keitum auf Sylt (!), bewirtschaftet das 1870 gegründete Weingut Balthasar Ress heute. Neben vor allem Hattenheimer Cru-Lagen sind es Rüdesheimer, aber auch Erbacher wie der Erbacher Marcobrunn. Nun ist es aber das eine, Terroir zu besitzen. Viel entscheidender ist es, Terroir auch zu wagen und im Wein voll zum Ausdruck zu bringen. In dieser Hinsicht haben mich die 2011er von Ress voll überzeugt, denn das Quartett kann man auch in anderer Reihenfolge verkosten: Die Lagen wie auch der Jahrgang brechen sich in diesen Rieslingen Bahn, weil man es ihnen erlaubt hat und keine Kompromisse eingegangen ist.
Ausgabe 11/2012
Weingut Krebs, TwannMalbec in der Flasche und Syrah in der Hütte
30 000 Flaschen, 4,5 ha, 15 Weine. Das sind die Eckzahlen eines kleinen, feinen Schweizer Weingutes oberhalb der Bielersee-Schiffstation Engelberg, etwas nördlich zwischen Twann und Biel gelegen. Die Familienchronik reicht bis 1484 zurück. Ein gewisser Uli Krebs legte damals den Grundstein. Heute zeichnet der aktuelle Weinmacher Andreas Krebs für die 15. Generation und führt – zusammen mit seinen Eltern Silvia und Manuel – den Betrieb.
RG. – Der Pinot Noir bildet mit 50 % Produktionsanteil die wichtigste Rebsorte. Der Rest wird ergänzt mit lokal bekannten Rebsorten wie Pinot Gris, Chardonnay und Gamaret. Und auch der Chasselas ist natürlicherweise dabei. Er heisst aber bei Familie Krebs seit Grossvaters Zeiten auf gut Deutsch Gutedel. Und auch etwa 1300 Flaschen Malbec werden jährlich produziert – eine bereits 12-jährige Liebhaberei und eine herrliche Alternative zum Pinot Noir.
Ausgabe 11/2012
SpurwechselJerôme Gradassi aus Châteauneufdu- Pape
Knapp dreieinhalb Hektar Weinland sind nicht eben viel – zum Leben jedenfalls zu wenig. So möchte man meinen. Bei Jerôme Gradassi (50) in Châteauneuf- du-Pape gilt das nicht.
SK. – Er lebt nicht nur von seinem – gemessen an Domänen wie Beaucastel, Mont Redon, Grand Tinel oder Vieux Télégraphe – winzigen Betrieb, sondern er ist ganz offenbar glücklich dabei. Jedenfalls strahlt er, während er uns das Abenteuer erläutert, auf das er sich vor neun Jahren eingelassen hat. Und er sorgt zunehmend für Aufsehen. In seinem winzigen, in den Felsen gegrabenen Keller in der Rue Alphonse Daudet entstehen nämlich seit einigen Jahren Weine, die das Zeug zur Legende haben.
Ausgabe 11/2012
Gigondas 2010 – ein Jahrgang der Extreme
Das Weinörtchen Gigondas, 17 km östlich von Orange, ist ein Platz wie aus dem Skizzenbuch von Cézanne: ein alter, verwinkelter Ortskern, umschlossen von einer Mauer aus dem späten Mittelalter, gekrönt von Kirche und Burgruine.
SK. – Über dem ockerfarbenen und ziegelroten Ensemble steigen die Dentelles de Montmirail auf, alpin wirkende Kalkschrofen, die von Bergsteigern gerne zum Training benutzt werden: «une site pittoresque ». Dass das auch früher schon so gesehen wurde, deutet die Herleitung des Namens vom lateinischen iucunditas (Annehmlichkeit, Liebenswürdigkeit) an. Die Weinberge sollen bereits vor der Zeitenwende von Veteranen der II. Römischen Legion angelegt worden sein. Archivalisch belegt sind sie seit dem 14. Jahrhundert. 1865 werden die Weine als «gesuchter Wert» bezeichnet, aber das ganz grosse Jahr kam erst 1971 mit der Anerkennung der Ortsappellation Gigondas AC. Ab jetzt gehörte man zum «Cru-Adel».
Ausgabe 11/2012
Barriquomanie: Botox und Schminke auf dem Rückzug?
Auch in renommierten Apellationen, wie etwa vor zwei Jahren in der DOCG
Brunello di Montalcino, wird immer einmal wieder darüber diskutiert, auf
den Einsatz von Barrique ganz zu verzichten.
SK. – Solche Diskussionen gibt es, befördert nicht zuletzt durch die bei Donatella Cinelli-Colombini (Fattoria del Colle, Casato Prime Donne) tätige französische Weinmacherin Valérie Lavigne, schon länger. Aber wenn dieser Schritt wirklich getan würde, so wäre seine Bedeutung kaum zu überschätzen. Wer die Entwicklung der letzten 30 Jahre verfolgt hat, reibt sich allerdings zunächst einmal verwundert die Augen: Über Jahre hinweg galt der Einsatz des Barriques als Ausweis von Modernität und Qualitätsbewusstsein. Er hat die Geschmacksprofile ganzer Weinlandschaften, wie der Toskana oder des Piemont, verändert und «modernisiert». Wollen die eigensinnigen Italiener sich jetzt mutwillig isolieren und ihre Chancen auf dem Weltmarkt verspielen? Haben sie vergessen, wie man bei der angelsächsischen Weinkritik zu Spitzennoten kommt? Lautet nicht die bewährte Devise: «No coffee, no fun!»?
Ausgabe 11/2012
Winzerbrief und WeinWissers Antwort
Den folgenden Briefwechsel mit einem Weinerzeuger, dessen Wein eine herbe Kritik erhielt, wollen wir gerne teilen. Nicht, um Wein und Winzer in ein schlechtes Licht zu rücken, sondern um bei der Gelegenheit auch einige andere Anfragen zu beantworten, die uns zum Thema «GEWÜRZTRAMINER-DAY» auf Facebook erreicht haben.
Ausgabe 11/2012
Glück, vertikal: Scavinos Bric del Fiasc
Manchmal muss man sich rar machen: Als Enrico Scavino in diesem Jahr nach sechs Jahren Abstinenz von der jährlichen Piemont-Weinpräsentation «Nebbiolo Prima» zurückkehrte, hatte es Stil. Denn neben einer Horizontalen (seine sieben 2008er Barolos) stieg er in die Tiefen der Jahrgänge des Barolo Bric del Fiasc vor 2003 und kredenzte in der Regel aus Grossflaschen.
TI. – 1921 von Paolo Scavino gegründet, führte Enrico den Betrieb in die Elite der Barolos. So sicher war Enrico seiner Bestimmung, dass er mit zehn die Schule verliess
und sich fortan Weinbergen und Keller zu Hause (in Castiglione Falletto an der Verbindungsstrasse von Alba nach Barolo) widmete. Was ihn nicht daran hinderte, einige Jahrzehnte später mit den illustren Mitstreitern Elio Altare, Luciano Sandrone und Domenico Clerico den Barolo zeitgemäss zu modernisieren – wichtige Voraussetzung für einen Aufstieg des Barolos, ja, der ganzen Region und ihre heutige Stellung auf dem Weltmarkt. Enricos zwei Töchter Elisa und Enrica haben einen Teil
der Verantwortung übernommen und teilen sich die Arbeit in Keller, Weinberg und Verkauf mit dem Vater.
Ausgabe 10/2012
Grosse Gewächse 201150 der feinsten Rieslinge Deutschlands
Ende August in Wiesbaden und im September in Berlin hat der deutsche Verband der Prädikatsweingüter VDP weit mehr als 400 Grosse Gewächse gezeigt, die meisten davon aus dem Jahrgang 2011. Alle konnten wir nicht verkosten, aber für 50 tolle Tipps hat es locker gereicht.
SR. – Der Jahrgang 2011 hat sich als für den Riesling nicht ganz unproblematisch entpuppt: Viele Grosse Gewächse sind nicht nur ultrareif, üppig und konzentriert, sondern liegen mangels pikanter Säure auch recht schwer auf der Zunge. Die grosse Kunst war es, die hohe Reife zu balancieren, so dass der Trinkfluss nicht abhanden kommt. Die Nahe hat mal wieder von allen Regionen die Nase vorn, ist aber natürlich nicht nur klein, sondern prominent besiedelt: Dönnhoff, Emrich-Schönleber, Schäfer- Fröhlich, Diel, Gut Hermannsberg, Tesch … Doch in jeder Region gibt es exzeptionelle 11er Crus zu entdecken, sogar in Württemberg und Franken – zwei Regionen, die man zumal beim Riesling zu unterschätzen neigt. In der Pfalz hat Stephan Attmann für von Winning (erneut) eine fulminante Kollektion hingelegt, und so langsam wollen oder können sich auch die anfänglichen Skeptiker nicht mehr gegen die Klasse der Winning-Rieslinge wehren.
Ausgabe 10/2012
2009 Zeron9ve: Einmal und nie wieder
Diesen Wein gibt/gab es nur einmal. Und es gibt ihn eh schon nicht mehr. Weil die insgesamt 140 produzierten Magnums schon lange weg sind! Warum ich trotzdem über diesen Wein schreibe? Weil er irgendwie unter Arinarnoa-Weltrekord gebucht werden müsste. Und solche Rekorde interessieren schliesslich auch Weinfreaks.
