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Ausgabe 3/2013
Gemischtes Doppel in MontalcinoBrunello 2008 und Riserva 2007
(TB) – 2008 war in Montalcino ein Jahr mit kühlerem Witterungsverlauf. Es begann feucht im Frühjahr, gefolgt von einem langen, warmen Sommer mit gelegentlichen Regenschauern. Zum Lesebeginn war es kühl und trocken, zum Ende der Ernte setzte wiederum Regen ein. Der 91-jährige Dottore Franco Biondi-Santi vom berühmten Weingut Il Greppo spricht bei 2008 interessanterweise von einem optimalen Jahrgang.
Denn für die langjährige Reifung seiner Weine setzt er auf eine frische, klare Säurestruktur und bricht generell früher zur Lese auf. Für ihn zeigen die 2008er die Voraussetzungen für einen grossen Jahrgang, wobei er den kommenden, üppig-reichhaltigen Sonnenjahrgang 2009 aufgrund seiner geringeren Säure eher schwächer bewertet. Auf eine Riserva verzichtet der Dottore daher in 2009, wobei er für 2008 eine grosse Riserva erwartet.
Ausgabe 3/2013
DurchwachsenChianti Classico Annata 2009–2011
(TB) – Noch in den 90er Jahren war ein guter Jahrgang in der gesamten zentralen Toskana gut. 1997, 1998, 1999 galten für Chianti, Vino Nobile und Brunello di Montalcino allesamt als ausgezeichnet. Nur die Maremma unterliegt durch die Nähe zum Mittelmeer generell anderen klimatischen Bedingungen als das Landesinnere. Heute treten aber auch in der Zentraltoskana regionale Unterschiede von Jahr zu Jahr deutlicher hervor.
2007 war beispielsweise gross im Chianti Classico, mit Reife, Dichte, viel Saft und Schmelz, während die Brunellos mit spröden bis trockenen Tanninen zu kämpfen hatten. 2010 wird in Montalcino wiederum als gross erwartet, haben doch bereits die Roten im vergangenen Jahr deutlich glänzen können. Doch im Chianti war der 2010er eben nicht flächendeckend ausgezeichnet, sondern eher durchwachsen, wie nun die grosse Verkostung «Chianti Collection » im Februar in Florenz zeigte. Die meisten vertikal vorgestellten Chianti Classicos konnten 2009 und 2011 durch bessere Saftigkeit und Fülle sowie schmelzigen Extrakt mehr überzeugen. In der Folge stellen wir Ihnen die besten Weine vor, wobei fast alle Güter mit ihren 2010ern dabei sind, und, soweit ebenfalls gezeigt und von notabler Qualität, auch mit den Jahrgängen 2009 und 2011.
Ausgabe 2/2013
Clos des Lambrays Grand Cru, Domaine des Lambrays
(JB) – Ende August 2011 hat Burgherr Armin Diel zur Vertikalverkostung von elf Jahrgängen Clos des Lambrays geladen. Die Weine kamen je zur Hälfte aus dem privaten Keller von Armin Diel und direkt von der Domaine des Lambrays.
Jahrelang ist es ruhig um Domaine des Lambrays gewesen. Wechselhafte Qualitäten, unzählige Besitzerwechsel und deren finanzielle Engpässe sorgten dafür, dass der Domaine wenig Beachtung geschenkt wurde. 1996 kaufte das Koblenzer Unternehmerehepaar Freund die Domaine und gab dem langjährigen Önologen Thierry Brouin endlich die Möglichkeit, das Potenzial der im Durchschnitt 40 Jahre alten Pinot-Noir-Reben des Clos des Lambrays komplett auszuschöpfen. Die älteren Jahrgänge wirken noch immer etwas rustikal, mit 2005 kam die endgültige Wende – distinguierte Pinot Noirs von vorzüglicher Finesse und femininer Zartheit.
Ausgabe 2/2013
Rieslingvertikale
(MQ) – Mit dem Jahrgang 2001 hat Klaus Peter Keller in der 9. Generation das Zepter im familiären Weingut übernommen. Familiensinn, eine Verbundenheit mit der heimischen Scholle und das stete Streben, besondere Weine zu erzeugen, prägten und prägen das Denken und Handeln der Winzerfamilie Keller. Die Keimzelle des Erfolgs liegt sicherlich im Hubacker, heute eine der bedeutendsten Lagen in Rheinhessen.
Unter Georg III, der fünften Keller-Generation, wandelte sich der «Hausberg» der Familie Keller in den heutigen sanften Südost- Hang. Bis in die 1930er Jahre war der Hubacker ein Terrassenweinberg, auf dem es auch Buschwerk und offenen Felsen gab. Friedrich Heinrich, der Sohn von Georg III, machte in zwei Jahren die felsigen Abschnitte als Weinberg urbar, indem er schwere Felsbrocken sprengte und die Terrassen einebnete. In Erinnerung und Anerkennung dieser Entscheidung hat Klaus Keller, der Vater von Klaus Peter, Ende der 90er Jahre den «G» als Hommage an die Ur-Grossväter auf die Flasche gebracht.
Ausgabe 2/2013
Ruinart – und was gibt's dazu?
(SA) – Das Champagnerhaus Ruinart in Reims ist das älteste Champagnerhaus der Welt. 1729 wurde es von Nicolas Irénée Ruinart, dem Neffen des Benediktinermönchs Dom Thierry Ruinart, gegründet.
Ruinart stammte aus einer bürgerlichen Familie von Tuchhändlern aus der Champagne. Auf Handelsreisen in Europa bemerkte man schnell das Interesse und die Begeisterung an den aristokratischen Höfen, welche durch den Champagner ausgelöst wurden. Und damit das Zukunftspotenzial für die Produktion von Champagner.
Ausgabe 2/2013
Ganz unbescheiden
(RG) – Ein Champagner, zwei Weissweine, 18 Rotweine und zwei Süssweine. Das war das mögliche Genussrepertoire für eine memorable Weinprobe, die unter dem unbescheidenen Titel «die besten Weine der Welt» im Restaurant Old Swiss House in Luzern stattfand. Nun könnte man sich natürlich leicht darüber streiten, welches die besten Weine der Welt seien. Aber Weingeniesser sind Politiker und immer fest davon überzeugt, dass der Wein der Beste ist, den sie gerade im Glas haben (sofern er schmeckt). Denn wer wären die Autoritäten, die darüber bestimmen könnten?
Ausgabe 2/2013
Noch ein Österreicher in KalifornienManfred Krankl und sein Weingut Sine Qua Non
(TT) – Jeder kennt das Gefühl: Man öffnet den Briefkasten und zwischen der üblichen Werbepost lugt ein Brief in adretter Recycling-Papier-Aufmachung hervor. Dabei handelt es sich nur selten um die Urlaubsgrüsse von Tante Toni, sondern viel häufiger um eine unangenehme Art, «Bescheid gesagt» zu bekommen. Nun, ähnlich geht es mir mit Post, die ich vom Weingut Sine Qua Non aus dem südlichen Kalifornien bekomme: Seit nunmehr sechs Jahren erhalte ich in regelmässigen Abständen eine Postkarte, die mir auf äusserst charmante und entschuldigende Art deutlich macht, dass ich leider immer noch nicht würdig genug bin, um Weine von Sine Qua Non erwerben zu dürfen.
